Das Kalenderblatt zum Mai

Jetzt erblüht die Natur in üppigster Pracht; eine tolle Zeit für Ausflügler und Romantiker! 

    

01.05.2019 Internationaler Tag der Arbeit, Maifeiertag

05.05.2019 Neumond im Tierkreiszeichen Stier

08.05.2019 Tag der Befreiung

09.05.2019 Europatag

2014.05.maigruen1 DSCN0615 - web11.05.2019 Eisheilige: Mamertus
12.05.2019 Eisheilige: Pankratius – Muttertag
13.05.2019 Eisheilige: Servatius
14.05.2019 Eisheilige: Bonifatius
15.05.2019 Eisheilige: Sophie

17.05.2019 Grunnlovsdag (Tag der Verfassung in Norwegen)

18.05.2019 Tag der Selbstverwaltung - Vollmond im Tierkreiszeichen Skorpion

21.05.2019 Sonne im Tierkreiszeichen Zwillinge: Frühlingsende

30.05.2019 Christi Himmelfahrt / Vatertag

 


    

Bartholomäus Spranger 011Mai: wonniglich sinnlich
   

Der Mai (May, Maggio, Mayo, Maio, Mei, Maj, május, máj, květen, май, Mayıs) war ursprünglich der römischen Göttin Maia geweiht, verraten uns antiken Autoren wie Ovid. Maia war mit Vulcanus, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst, liiert. Dessen Priester brachten ihr an den Kalenden des Mai (also jeweils am ersten Tag des Monats) regelmäßig Opfer dar. Vergil vermixte die altitalisch-römische dann mit der griechischen Maia, einer der sieben Plejaden, die mit Zeus den Götterboten Hermes (bzw. römisch: Merkur) gezeugt hatte. Das machte sie zur Schutzpatronin der Händler und Kaufleute, die am 15. Mai im Tempel des Mercurius geehrt wurde.

Im katholischen Christentum wandelte sich der Mai zum „Marienmond“, in dem man sich verstärkt der Verehrung der Gottesmutter und des Rosenkranzes widmet.

Dafür, dass wir den Mai bis heute als lieblichen „Wonnemonat“ definieren (und daher das jährliche Maximum an Lebensgenuss von ihm erwarten), ist ein kleines sprachliches Missverständnis verantwortlich: Im 8. Jahrhundert führte Karl der Große den deutschen Monatsnamen „wunnimanot“ ein; doch das bedeutete auf gut Althochdeutsch einfach nur „Weidemonat“ und sollte schlicht besagen, dass das Vieh jetzt wieder draußen grasen kann. Dennoch kann uns der Mai mit Fug und Recht eine Wonne sein: Die Natur erblüht jetzt so prachtvoll wie das ganze Jahr nicht mehr; und darauf verweisen auch die alten Monatsnamen Blumenmond, Blühmond oder Bleuet.

 


  

Freuen oder frösteln?

Die Eisheiligen (11.-15. Mai)
   

Im Mai sind all unsere Sinne darauf ausgerichtet, die Schönheit der nun in voller Pracht erblühten Natur zu genießen. Doch die Landwirte – und auch so manche Kleingärtner auf »Balkonia« und in »Gartlandia« – macht der frühe Mai noch eher nervös, denn:

»Vor Nachtfrost sicher bist du nicht, bevor Sophie vorüber ist!«

Die Zeit vom 11. bis zum 15. Mai ist die Zeit der sogenannten Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie, denen eine Vielzahl warnender Bauernregeln gewidmet ist; so zum Beispiel auch:

»Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder,
was der Frühling gebracht, das zerstören sie wieder.«

Tatsächlich kommt es in der ersten Maihälfte mit einer meteorologischen Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent noch zu letzten Nachtfrösten im Boden, durch die das Gedeihen von Nutzpflanzen wie Wein, Hopfen, Obstbäumen und Getreide erheblich gefährdet ist. Erst nach der »kalten Sophie«, dem 15. Mai, sinkt das Risiko auf fünf Prozent. Von daher wird auch die folgende Wetterregel sehr verständlich:

»Gehen die Eisheiligen ohne Frost vorbei, dann schreien die Bauern und Winzer juchhei!«

(Und die Balkongärtner freuen sich natürlich auch.)
  


     

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Der Biertag und der Blumentag
   

Der Muttertag wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer auf den zweiten Sonntag im Mai datiert. Doch zwingend ist das nicht: In Frankreich etwa steht die »Fête des Mères« erst am letzten Maisonntag im Kalender (falls dieser nicht von Pfingsten besetzt ist), und die Mummys in Großbritannien und Irland werden bereits am vierten Fastensonntag des Jahres geehrt.

Auch der Vatertag wird international recht flexibel angesetzt. In Deutschland fällt er seit 1936 mit Christi Himmelfahrt zusammen, in Österreich dagegen ist der zweite Sonntag im Juni für den Papa reserviert. Finnische, norwegische und schwedische Väter aber müssen sich bis zum zweiten Sonntag im November gedulden.

»Du sollst Vater und Mutter ehren!« Das sagt ja schon die Bibel, genauer: das vierte Gebot. Doch ob bereits zu Moses Zeiten jeder Elternteil seinen eigenen Ehrentag hatte, ist leider nicht überliefert.

2014.05.muttertag2Sehr frühe Wurzeln hat jedoch zumindest der heutige Blumen- und Pralinentag, der viele erwachsene Kinder mit einer merkwürdigen Mischung aus Sentimentalität und leicht schlechtem Gewissen im Bauch heim zu Mutti treibt: Schon im alten Griechenland wurde alljährlich im Frühling ein Fest für Rhea gefeiert, die Mutter des Götterkönigs Zeus und vieler weiterer Kinder des Olymp war.

Die ersten als solche bekannten »Mothering Sundays« wurden im England des 13. Jahrhunderts begangen - und zwar, um die Kirche als religiöse Mutter zu würdigen. Daraus entwickelte sich dann die Tradition, den Dienstboten an diesem Tag frei zu geben, damit sie sich, oft mit einem speziellen Muttertagskuchen in der Hand, endlich einmal wieder bei ihren Eltern sehen lassen konnten. Ähnliche Bräuche entwickelten sich auch in Thüringen, in der französischen Champagne und in der belgischen Wallonie.

Die Amerikanerin Anna Jarvis aus West Virginia griff den Muttertagsgedanken auf und beging den 9. Mai 1907, den zweiten Todestag ihrer eigenen Mutter, mit einem Dank-Gottesdienst. Sie setzte sich dann mit großem Erfolg für die Einführung eines allgemeinen Muttertags ein. Am 8. Mai 1914 erklärte Präsident Wilson der zweiten Sonntag im Mai zum offiziellen Muttertag in den USA. Prompt kamen Geschenke, Grußkarten und Blumensträuße zu Muttis Ehren gewaltig in Mode. Die galoppierende Kommerzialisierung des Muttertags ärgerte Anna Jarvis so sehr, dass sie 1923 versuchte, den von ihr selbst ins Leben gerufenen Feiertag gerichtlich wieder zu unterbinden. Doch diese Liebesmüh war vergeblich.

In Deutschland wurde der Muttertag erstmals 1923 gefeiert. 1933 erklärten ihn die an Fortpflanzungsfragen ja sehr interessierten Nationalsozialisten dann zum Volksfeiertag; inklusive, ab 1938, der feierlichen Verleihung des Mutterkreuzes mit der Aufschrift »Das Kind adelt die Mutter«. Das gab es ab vier bis fünf Kindern in Bronze, und ab acht dann in Gold.

Nach dem zweiten Weltkrieg setzte sich der Muttertagsgedanke allmählich in ganz Europa durch, während der Vatertag Geschmackssache blieb.

2014.05.vatertag1910 begann wiederum eine Amerikanerin, nämlich Louisa Dodd, die Tochter eines Veteranen aus dem Sezessionskrieg, damit, auch den Vätern den Weg zur Ehre zu bahnen. Ihre Idee kam – vor allem aus patriotischen Gründen – ebenfalls sofort gut an, doch erst 1974 erhob Präsident Nixon den Vatertag endgültig zum offiziellen Feiertag. Er wird in den USA, anders als bei uns, immer am dritten Sonntag im Juni begangen.

Das deutsche Argument, Christi Himmelfahrt zum Vatertag zu erklären, folgt der Logik, dass Jesus an diesem Tag ja schließlich zu seinem Vater zurückgekehrt sei. Wenn das kein Grund für eine anständige »Herrenpartie« ist! Veranstaltungen dieser Art soll es - strikt Gott zu Ehren natürlich - bereits im Mittelalter gegeben haben. Und aus diesem heiligen Geist heraus also ziehen noch heute fröhliche Horden von echten oder potentiellen Vätern ins Grüne, um sich – mehr oder weniger himmlisch benebelt – einfach ein bisschen selbst zu ehren. Oft sind sie mit Bollerwagen oder Schubkarren zu Transportzwecken ausgerüstet; wobei der Inhalt auf dem Hin- und auf dem Rückweg durchaus wechseln kann ...
  


Aktualisiert am 04.01.2019

Bilder: © Michaela Mundt sowie Maia und Vulcanus via Wikimedia Commons (siehe Link zum Bild), © Susanne Schmich / pixelio.de (Blütenherz), © Rosel Eckstein / pixelio.de (Schaf mit Lamm), © Petra Dirscher / pixelio.de (Himmelfahrtsbier) Vielen Dank dafür!

Vielen Dank für Ihr Interesse! Die im März 2014 erstmals auf www.dr-michaela.mundt.de eingerichtete Rubrik »Kalenderblatt« wurde inspiriert durch meine Tätigkeit als Lektorin für die Neumann & Wolff Werbekalender GmbH & Co. KG / ALPHA EDITION GmbH & Co. KG seit Sommer 2012. Die Bauernregeln zum Monat habe ich 2014 im Auftrag der Kieler Werbeagentur WortBildTon GmbH für mein coop magazin, das Kundenmagazin der sky-Märkte, beleuchtet. Der hier überarbeitet veröffentlichte Artikel »Der Biertag und der Blumentag« erschien ursprünglich (ebenfalls im Auftrag der WortBildTon GmbH) im mein coop magazin, Ausgabe Mai 2005. Der Text zum Monat Mai entstand im Sommer 2018 exklusiv für diese Site.