Das Jahr im islamischen Kalender

Mond statt Sonne, Ramādan statt Ostern, Mohammed statt Jesus, Petrus oder Paulus … eine völlig fremde Welt? Entdecken wir sie!

   

 

   

Im profanen Alltag orientiert sich die islamische Welt an dem allgemein gebräuchlichen gregorianischen Sonnenkalender, weil dies – für Terminabsprachen wie für die Planung landwirtschaftlicher Arbeiten im Rhythmus der Jahreszeiten – das Praktischste ist.

Hidschra Aschura Mawlid an-Nabi Lailat al Miraj Lailat al-Barā'a Ramādan Lailat-ul-Qadr Eid-ul-fitr Haddsch Eid ul-adha

Alle wichtigen religiösen Feier- und Gedenktage, Fasten- oder Pilgerzeiten und besonderen Nächte aber werden nach einer eigenen Zeitrechnung festgelegt, die durchaus auch der Abgrenzung von anderen Glaubensrichtungen gilt. Der islamische Kalender ist ein konsequenter Lunarkalender, d. h. er strukturiert sich ausschließlich nach dem Mond: Wenn nach dem Neumond wieder die erste zarte Sichel des zunehmenden Mondes zu sehen ist, beginnt ein neuer Monat, der dann über alle Mondphasen hinweg andauert, bis der Nachthimmel zu Neumond wieder rabenschwarz wird bzw. die nächste zarte Sichel erscheint.

Das wird dem Namen der Zeiteinheit »Monat« natürlich ausgesprochen gerecht, hat aber auch zur Folge, dass die Monate – der synodischen Umlaufzeit des Mondes entsprechend – allesamt jeweils nur rund 29,5 (bzw. 29-30) Tage lang sind. 12 Mondmonate ergeben also nur ein Jahr mit 354-355 Tagen. Damit ist das islamische Mondjahr 10-12 Tage kürzer als das gregorianische Sonnenjahr mit seinen 365-366 Tagen; und das führt zu dem (für die westliche bzw. die jüdisch-christlich geprägte Weltsicht, nach der etwa Ostern bzw. Pessach zwingend in den Frühling und Weihnachten respektive Chanukka in den frühen Winter gehören, zunächst etwas gewöhnungsbedürftigen) Effekt, dass alle religiösen Feste des Islams im Laufe der Zeit durch sämtliche Jahreszeiten wandern. Die Monate verschieben sich immer weiter nach vorn, und nach 32 gregorianischen Jahren sind bereits rund 33 islamische Jahre vergangen.

   


   

-prophet-Muhammad-


1. Muharram

Hidschra: das islamische Neujahr
   

Der erste Monat des islamischen Kalenders heißt Muḥarram (bzw. Moharram, Maharram, Məhərrəm oder auf Türkisch Muharrem). Am ersten Tag des Muḥarram beginnt ein neues islamisches Jahr; so zum Beispiel – auf gregorianisch umgerechnet – am 14. Oktober 2015 das Jahr 1437 H, am 20. August 2020 das Jahr 1442 H, oder am 10. August 2021 das Jahr 1443 H.

Nanu, warum leben gläubige Muslime und Muslimas denn im 15. Jahrhundert statt im 21. Jahrhundert, in dem wir uns allgemein doch wähnen? Das hängt damit zusammen, dass die islamische Jahreszählung erst am 16. Juli 622 der christlichen Zeitrechnung beginnt. Dies war der Tag der Hidschra (bzw. hiǧra oder Hedschra, oft angezeigt durch ein H hinter der Jahreszahl), der Auswanderung des Propheten Mohammed und seiner Anhänger von Mekka nach Medina, wo sie am 12. Rabīʿ al-awwal, dem damaligen 24. September, schließlich eintrafen. In Medina wurde der in Mekka wegen seines innovativen Glaubens eher unbeliebte und verfolgte Prophet schon bald zu einem hochangesehenen Religionsstifter und Staatsgründer.

Das islamische Neujahr ist eher ein Gedenk- als ein Feiertag. Es wird nicht mit großen Feuerwerken oder anderen Spektakeln gefeiert, man wünscht sich höchstens gegenseitig Glück oder gönnt sich (regional) ein Festessen mit sieben Bestandteilen, die symbolisch für die Hoffnung auf einen guten Neuanfang stehen.

   


   

Khalili Collection Islamic Art 04


10. Muharram

Aschura: zwischen Trauer und Freude
   

Am 10. Muharram steht dann »Aschura« (ʿāschūrāʾ, ʿāšūrāʾ aschara, ašara, Aşure) im Kalender. Dieser Tag hat für die verschiedenen Glaubensrichtungen des Islams eine recht unterschiedliche Bedeutung:

Für die Sunniten ist dieser Tag ein (freiwilliger) Fastentag der Dankbarkeit und Freude, an dem verschiedene Ereignisse gewürdigt werden, die den Propheten vor Mohammed am 10. Muharram durch Gottes – respektive Allahs – Gnade widerfahren sein sollen. Hierzu gehören etwa die glückliche Ankunft der Arche des Propheten Nuh (Noah) auf dem Berg Cudi Dağı nach überstandener Sintflut oder die Durchquerung des Schilfmeers, die dem Propheten Mūsā (Moses) und seinem Volk den Auszug aus Ägypten ermöglicht hat.

Die Schiiten dagegen betrauern 10-12 Nächte lang (meist ab dem 1. Muharram) mit Erzählungen und Passionsspielen zum Ereignis, Trauerprozessionen, Wallfahrten oder auch Selbstgeißelungen den Märtyrertod von Husain ibn Ali. Husain ibn Ali war ein Enkel des Propheten Mohammed, Sohn des Ali ibn Abi Talib, des ersten Imams der Schiiten, und selbst der dritte Imam. Er weigerte sich, dem Kalifen Yazid I. die Treue zu schwören, und wurde dafür zusammen mit seinen 72 Getreuen (darunter auch seine eigene Familie), von der Armee des Kalifen bei der Schlacht von Kerbela im Jahr 680 unserer Zeitrechnung ermordet. Nach der Trauerzeit für dieses tragische Ereignis bringt die schiitische Untergruppe der Aleviten dann jedoch auch ihre Dankbarkeit dafür zum Ausdruck, dass Husains Sohn Zain al-Abidin das Gemetzel von Kerbela überlebt hat.

   


Der zweite Monat des islamischen Kalenders, der Ṣafar (türkisch Safer), gilt im Volksglauben als Unglücksmonat, denn in diesem Zeitraum sollen 12.000 der vor Mohammed aktiven 12.400 Propheten gestorben sein. Glücklicherweise folgt mit der nächsten zarten Mondsichel jedoch nur 29,5 Tage darauf der auch »der Edle« (asch-Scharīf) genannte dritte Monat Rabīʿ al-auwal (oder Rabīʿ I., Rabi al-Awwal, Rabīʿu l-awwal, Rebiülevvel), in dem es wieder mehr Grund zur Freude gibt. 


   

Birth of Muhammad from the Jami‘ al-tawarikh (big)


12. oder 17. Rabīʿ al-auwal

Mawlid an-Nabi: der Geburtstag des Propheten
   

Der Rabīʿ al-auwal wird auch »Schahr al-maulid«, also »Monat der Geburt« genannt. Der Überlieferung nach soll der Prophet Mohammed, der Begründer der islamischen Religion, im dritten Monat des islamischen Jahres das Licht der Welt erblickt haben. Allerdings streiten sich die Gelehrten, an welchem Tag genau dies geschah. Bei den Sunniten wird der Geburtstag des Propheten, der Mawlid an-Nabi (maulid an-nabī, maulūd, mulud, Mouled, Mouloud, Maulid, Mevlid, Mevlit, Mevlüt, Mevlüd), am 12. Rabīʿ al-awwal gefeiert, bei Schiiten dagegen erst am 17. Rabīʿ al-awwal.

Begangen wird der Festtag mit Gebeten, besonders hell erleuchteten Moscheen und geschmückten Wohnungen, Prozessionen oder Zusammenkünften, bei denen Legenden aus dem Leben des Propheten erzählt und religiöse Lieder gesungen werden, und mit aufwendigen Gastmählern, zu denen auch die Armen und Bedürftigen geladen werden. All das soll die tiefe Liebe zu Mohammed zum Ausdruck bringen und Allah dafür danken, dass er den Propheten erschaffen hat.

   


Die Monate Nr. 4-6, der Rabīʿ ath-thānī (Rabiʿ II., Rabīʿ aṯ-ṯānī, Rabiʿ al-achir, Rabīʿu th-ṯānī, Rebiülahir), der Dschumādā l-ūlā (Dschumada I., Ǧumāda l-ūlā, Dschumādā al-auwal, Cemaziyelevvel) und der Dschumādā th-thāniya (Dschumādā II., Ǧumāda ṯ-ṯānīya, Ǧumādā l-āḫir, Dschumādā l-āchira, Cemaziyelahir), ziehen dann ohne besondere Feier- oder Gedenktage ins Land. Mit dem Radschab (Raǧab, Rajab, Radjab, Receb, Recep) aber, dem siebenten Monat des islamischen Kalenders, dessen Name von »respektieren« (radschaba) abgeleitet ist, beginnt eine für gläubige Muslime und Muslimas sehr bedeutungsvolle Zeit, die sich über rund ein Vierteljahr erstreckt: Die heiligen Monate, zu denen nach dem Radschab auch der Schaʿbān (Schaban, Šaʿbān, Şaban) und schließlich der Fastenmonat Ramaḍān (Ramazan) gehören.

Alle drei Monate fordern zu intensiver religiösen Besinnung auf, die die spirituelle Läuterung von den eigenen Unzulänglichkeiten zum Ziel hat. Sünden sind in dieser Zeit noch schwerwiegender als sonst, gute Taten, Gebete oder das konsequente Fasten an den Freitagen dagegen gelten nun als besonders anerkennenswert und sollen reich belohnt werden.

Den Anfang macht die »Nacht des Gewünschten« (Ragaib Kandil, Regaib Kandili) am ersten Freitag des Monats Radschab. Darauf folgen mehrere weitere besonders bedeutsame Nächte:


   

Miraj-BNF-1436


26./27. Radschab

Lailat al Miraj: die Nacht- oder Himmelsreise des Propheten
   

Thema der Nacht zum 27. Radschab, der Lailat al Miraj (oder lailat al-mi’rāğ, Miradsch Kandil, Miraç Kandili) ist die Nacht- bzw. Himmelsreise des Propheten Mohammed.

Von der Nachtreise des Propheten (Lailat al-isrāʾ) berichtet der erste Vers der 17. Sure des Korans: Innerhalb einer einzigen Nacht ließ Allah Mohammed demnach auf dem wundersamen Buraq, einem Pferd mit Flügeln und weiblichen Antlitz, von der heiligen Moschee in Mekka zu einer »fernen Kultstätte«, später bestimmt als Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem, und wieder zurückreisen. In Jerusalem traf Mohammed verschiedene Propheten, die ihm vorangegangen waren, und betete mit ihnen.

Die Legende von Mohammeds Himmelfahrt (Al-Miʿrādsch) dagegen erklärt das für gläubige Muslime zentrale Gebot, fünfmal am Tag zu beten: Nachdem Mohammed im Kaaba-Heiligtum in Mekka zwei Rakʿas gebetet hatte, stieg der Erzengel Gabriel mit ihm über eine Leiter in den Himmel hinauf. Auf den sieben Ebenen des Himmels begegneten ihm im ersten Himmel der Prophet Adam, im zweiten Himmel die ProphetenʿĪsā (Jesus) und Yahya (Johannes der Täufer), später Hārūn (Aaron) und Mūsā (Moses) und schließlich, vor dem Paradiestor im siebten Himmel, Ibrāhīm (Abraham). Dann offenbarte sich Allah selbst dem Propheten Mohammed und erhob zunächst fünfzig, dann aber, auf den Rat Ibrāhīms hin, nur fünf tägliche Gebete zur religiösen Pflicht für alle Gläubigen.

In der Überlieferung werden beide Reisen häufig miteinander verschmolzen: Dann erklimmt Mohammed die Himmelsleiter nicht von Mekka, sondern von Jerusalem aus. Zuvor bindet er al-Burāq beim Tempelberg an einem Loch fest, das der Erzengel Gabriel höchstpersönlich mit dem Finger in den Stein gebohrt hat.

   


   

Adam honoured by angels - persian miniature (c. 1560)


14./15. Schaʿbān

Lailat al-Barā'a: die Nacht der Vergebung
   

Im heiligen Monat Schaʿbān ist die Lailat al-Barā'a (oder auch Berat, Bera’at-Kandil, schab-i barāt), die vollmondbeschienene Nacht vom 14. zum 15. als Nacht der Vergebung ein besonders wichtiger Termin. Sie wird auch Nacht der Entlastung, Nacht des Schuldenerlasses oder Nacht der Befreiung vom Feuer genannt.

An einem 15. Schaʿbān soll der Prophet Mohammed seinen Anhängern eröffnet haben, dass die Engel Allahs alle Taten der Menschen aufzeichnen. Jeder Einzelne ist für seine Handlungen selbst verantwortlich und muss dafür vor Allah Rechenschaft ablegen. In der Nacht des Schuldenerlasses ist Allah jedoch besonders gütig und barmherzig gestimmt und bereit, Fehler zu vergeben, darum lohnt es sich nun sehr, darum zu bitten. Gute Taten für das Allgemeinwohl dagegen werden zu Lailat al-Barā'a doppelt hoch angerechnet. Daher bleiben gläubige Muslime diese Nacht hindurch gern wach, sie beten zu Hause oder in der festlich erleuchteten Moschee, rezitieren Koranverse und fasten am Tag.

   


   

US Army 51420 Soldiers celebrate end of Ramadan


Ramādan

Der Fastenmonat
   

Mit dem 1. Ramādan (Ramazan) beginnt der auch Ungläubigen recht gut bekannte islamische Fastenmonat. Konkret wird das zu den fünf Säulen des Islam gehörende Fastengebot nun dadurch eingehalten, dass gläubige Muslime und Muslimas von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang keine Speisen und Getränke zu sich nehmen. Wenn es noch dunkel ist, ist morgens ein Frühstück nach dem rituellen Frühgebet erlaubt. Erst wenn die Sonne untergegangen ist darf das Fasten dann gebrochen werden. Man nimmt einen kleinen Leckerbissen namens Iftar (iftarlık), etwa Datteln, und ein Glas Wasser zu sich, betet gemeinsam und setzt sich dann zum Mahl zusammen. Alle gesunden erwachsenen Gläubigen und auch Pubertierende im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind zum Ramādan-Fasten verpflichtet. Ausnahmen gelten (nach der 2. Sure des Korans, Vers 185) nur für Kranke oder Reisende. Sie haben das ganzmonatige Fasten entweder später nachzuholen oder durch die Speisung eines Armen abzulösen. Auch Kinder vor der Pubertät und schwangere, stillende oder menstruierende Frauen sind zu diesen Bedingungen von der Fastenpflicht befreit.

Doch Ramādan meint mehr als nur Nahrungsentzug. Denn Fasten (saum, siyam, ṣaum, ṣiyām) bedeutet im ursprünglichen Wortsinn »ruhen« oder »stillstehen« und beinhaltet nicht nur auch die Enthaltsamkeit im Hinblick auf Nikotin, Alkohol und Geschlechtsverkehr, sondern auch Enthaltsamkeit in Hinblick auf Lügen und Beleidigungen, üble Nachrede, Verleumdung und andere schändliche Taten. Auch soll man jetzt nicht fluchen oder sich in anderer Form über unbedeutende Kleinigkeiten aufregen. Stattdessen sind die Gläubigen aufgefordert, sich im Laufe der langen Fastentage gedanklich so oft wie möglich mit Allah zu beschäftigen, stille Gebete zu sprechen und zu überlegen, wie sie sich generell von sündigen oder zumindest schädlichen Neigungen befreien können. So soll im kollektiv begangenen Monat Ramādan eine Besinnung und Reinigung der ganzen Gemeinschaft erreicht werden.

   


   

Folio from a Koran (8th-9th century)


26./27.(?) Ramādan

Lailat-ul-Qadr: die Nacht der göttlichen Bestimmung
   

Ramādan ist der islamischen Überlieferung nach der Monat, in dem der Koran zu den Menschen herabgesandt bzw. dem Propheten Mohammed offenbart wurde. Dies geschah in der Lailat-ul-Qadr (lailat al-qadr, lailatu ʾl-qadr, Kadir Gecesi), der Nacht der göttlichen Bestimmung, auch Nacht der Allmacht, Nacht der Macht oder Nacht des Schicksals genannt. Der genaue Termin dieses Ereignisses blieb den Menschen jedoch verborgen. Man vermutet, dass die Nacht der Bestimmung auf einen der letzten zehn ungeraden Tage des Ramādan fällt, und mehrheitlich wird die Nacht zum 27. Ramādan angenommen. Diese Nacht wird gern mit gemeinsamen Andachten und Gebeten verbracht, denn es heißt, dass die Engel nun auf die Erde herabsteigen und den Gläubigen besonders nahe sind. In der Lailat-ul-Qadr gesprochene Gebete sind laut Koran wertvoller als die Gebete, die über tausend Monate (also rund 83 Jahre!) hinweg gesprochen wurden.

   


   

2014 Eid ul-Fitr Praying - Imam Ali Shrine - Najaf 2 Cropped


1.-3. Schauwāl

Eid-ul-fitr: das ›Zuckerfest‹
   

Mit dem Beginn des zehnten islamischen Mondmonats, dem Schauwāl (Schawwal, Şevval), hat die karge Fastenzeit ein Ende. Und das wird alle Jahre wieder in den ersten drei Tagen des Monats mit dem Fest des Fastenbrechens, dem »kleinen Fest« oder Zuckerfest (Eid-ul-fitr Eid al Fitr, ʿĪdu l-Fiṭr, ʿĪd al-fitr, al-'id as-saghir, al-ʿīdu ṣ-ṣaġīr, türkisch küçük bayram, ramazan bayramı şeker bayramı), auch ausgiebig gefeiert.

Doch wann genau ist es soweit? Maßgeblich ist auch hier die Sichtung des Neulichts, der nach Neumond wieder zart zunehmenden Mondsichel durch einen oder durch mehrere Zeugen, am besten durch zwei religiöse Autoritätspersonen. Diese Sichtung kann jedoch je nach Standort auf der Erde (bzw. der geografischen Länge) um +/- einen Tag variieren; und auch modernere Terminierungen des Monatsbeginns durch die Berechnungsroutinen der Astronomen oder Mathematiker sind mit Vorsicht zu genießen, denn die gab es zu Mohammeds Zeiten bzw. in der frühen islamischen Gemeinschaft ja noch gar nicht. Wer es ganz genau nehmen will, verlängert die Fastenzeit des Ramādan also sicherheitshalber auf 30 Tage und gibt sich erst dann den Freuden des nach dem Opferfest zweitwichtigsten islamischen Feiertages hin.

 - FORTSETZUNG FOLGT - 

   


   

Mohammed kaaba 1315


8.-13. Dhu l-Hiddscha

 Let’s go to the Haddsch!

   

Der elfte Monat des islamischen Kalenders, der Dhū l-Qaʿda (Ḏū l-Qaʿda, Ḏū l-qaʿda, Zilkade) wird von indischen Gläubigen auch mit Zusatz »Chali« versehen, was schlicht »leer« bedeutet, denn es gibt in diesen 29-30 Tagen keine allgemein verbindlichen Festtage. Doch dann kommt der zwölfte und letzte Monat, der Dhu l-Hiddscha (Ḏū l-ḥiǧǧa, Zilhicce), in dem nicht nur das bedeutendste Fest im islamischen Glauben begangen wird, sondern auch die Option besteht, mit dem Haddsch (Hadsch, Hajj) die wichtigste Pilgerreise im Leben der Gläubigen anzutreten.

- FORTSETZUNG FOLGT -

   


   

Bovino para sacrificio de Eid al-Adha


10.-13. Dhu l-Hiddscha

Eid ul-adha: das Opferfest
   

Das viertägige islamische Opferfest Eid ul-adha (Eid ul-Adha, Eid al Adha, Idh al-Adha, Idu I-Adha) wird nicht nur im Rahmen des Hadsch, sondern weltweit begangen. Dieses höchste Fest im islamischen Glauben hat nicht unmittelbar mit dem Leben des Propheten Mohammed zu tun. Vielmehr geht es um einen auch tora- bzw. bibelfesten Juden und Christen gleichermaßen vertrauten Beweis des Gottvertrauens: Auf Befehl Gottes (respektive Allahs) soll der Prophet Ibrāhīm (respektive Abraham) seinen geliebten Sohn rituell opfern, also töten. Aus seinem bedingungslosen Glauben heraus macht sich Ibrāhīm-Abraham auch tatsächlich an dieses für ihn persönlich extrem schmerzhafte Unternehmen. Erst in allerletzter Minute wird er von himmlischen Stimmen davon abgehalten – denn seine Bereitschaft allein genügt Allah/Gott bereits als Beweis seiner Treue und Glaubensfestigkeit, er muss das Opfer des eigenen Fleischs und Bluts nicht tatsächlich vollziehen.

Es gibt allerdings einige markante Unterschiede in den Überlieferungen: Während es in Tora und Bibel (Genesis 22,1–19) explizit Abrahams zweitgeborener Lieblingssohn Isaak ist, der geopfert werden soll, lässt die Sure 37,99–113 im Koran offen, um welchen geliebten Sohn es sich handelt – es könnte genauso gut auch Ibrāhīms Erstgeborener Ismail (oder Ishmael) gewesen sein, der als Stammvater der Araber gilt, welche den islamischen Glauben ja entscheidend tragen.

So oder so opfert der dankbare und erleichterte Ibrāhīm-Abraham Gott schließlich nur einen Widder. Und darin tun es die Gläubigen zu Eid ul-adha Ibrahim alljährlich gleich:

- FORTSETZUNG FOLGT -

   


Vielen Dank für Ihr Interesse! Den Beitrag, den Sie gerade gelesen haben, habe ich von Dezember 2020 bis April 2021 exklusiv www.dr-michaela.mundt.de verfasst – einfach deshalb, weil ich (inspiriert durch meine Tätigkeit als Lektorin für die Neumann Verlage seit Sommer 2012) gern genauer wissen wollte, welche religiösen Feiertage da eigentlich im internationalem Kalender stehen und mir gerade in der christlichen Weihnachts- und Osterzeit sehr daran gelegen war, einen kleinen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis der drei großen monotheistischen Weltreligionen zu leisten.

Alle Bilder zu diesem Beitrag via wikimedia commons (Details siehe Link zum Bild). Vielen Dank dafür!