Das Kalenderblatt zum Dezember

In der Weihnachtszeit stehen alle Jahre wieder viele (sehr erinnerungsträchtige) Termine im Kalender.

   

   

29.11.-06.12.2021      Chanukka

01.12.2021      Meteorologischer Winteranfang      Winterquantember

03.12.2021      Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen

04.12.2021      Barbara      Neumond im Tierkreiszeichen Schütze
(totale Sonnenfinsternis über der Antarktis und dem Südatlantik)

05.12.2021      Zweiter Advent

06.12.2021      Nikolaus      Día de la Constitución Española (Spanien)

08.12.2021     Mariä Empfängnis

10.12.2021      Tag der Menschenrechte

12.12.2021      Dritter Advent

13.12.2021      Lucia

19.12.2021      Vierter Advent      Vollmond im Tierkreiszeichen Zwilling

21.12.2021      Astronomischer/kalendarischer Winteranfang      Sonne im Tierkreiszeichen Steinbock 

24.12.2021      Heiligabend

25.12.2021      Erster Weihnachtstag

26.12.2021      Zweiter Weihnachtstag, Stephanstag

31.12.2021      Silvester


Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – erst eins dann zwei, dann drei, dann vier – dann steht das Christkind vor der Tür … Mehr zu verschiedenen Highlights dieser Zeit – dem Lichterglanz der Adventskerzen, der vorweihnachtlichen Backstube und besonderen Bräuchen zum Weihnachtsfest oder in der Neujahrsnacht – erfahren Sie im Weihnachtsspecial und im Silvesterspecial auf dieser Site.

2021 liegen die Weihnachtsfeiertage leider recht ungünstig auf Samstag und Sonntag. Pech für die meisten, nur nicht für die Briten, die am 27. und 28. Dezember 2021 mit zusätzlichen Christmas Holidays für die ausgefallenen Feiertage entschädigt werden.

   


 


Dezember: Heilig?!
   

Dezember (December, Decembre, Dicembre, Diciembre, Dezembro, grudzień, prosinec, декабрь, Aralık), also schlicht »der Zehnte« nannten die alten Römer den Monat, mit dem wir heute im Lichterglanz des Weihnachtsfestes das Jahr beschließen. In Anbetracht dieses wichtigen Termins im christlichen Kalender war Karl der Große im 8. Jahrhundert sehr dafür, im deutschsprachigen Raum lieber von Heilagmanoth (heiliger Monat) zu reden – Varianten dazu waren Heiligenmonat, Heilmond, Christmond oder Christmonat.

»Julmond«, Dustermond oder Wendeling dagegen sollen die alten Germanen und ihre Nachkommen den Dezember genannt haben; und damit rückten auch sie ihr wichtigstes Fest in den Brennpunkt des Interesses: nämlich die Wintersonnenwende, zu der sie feierten, dass die Tage nun wieder heller und die Pflanzen bald wieder grüner werden. Als »Winteranfang« würdigen wir diesen alten Feiertag bis heute.

   


   

Murillo and studio - The Immaculate Conception of the Virgin, NG3910


8. Dezember

Makellos: Marias unbefleckte Empfängnis
   

Wenn am 8. Dezember »Mariä Empfängnis« im Kalender steht, kann das Nichtkatholiken wie mich zunächst schon etwas in Verwirrung stürzen. Wie man auch rechnet, dieser Termin widerspricht immer der natürlichen Erfahrung einer normalen neunmonatigen Schwangerschaft, denn es sind ja entweder nur noch gut zwei Wochen bis zu Jesu Geburt an Weihnachten – oder aber mehr als 12 Monate bis zur Niederkunft. Oder?

Der Denkfehler liegt darin, dass Maria hier nicht selbst empfängt, sondern ihrerseits empfangen wird. Und das wäre auch völlig klar, wenn der Volksmund und der Kalender nicht so fröhlich abkürzen, sondern höchstoffiziell vom »Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria« sprechen würden. Die römisch-katholische Lehre von der »immaculata conceptio« besagt, dass Maria zwar ganz normal von ihren leiblichen Vater Joachim gezeugt und von ihrer Mutter Anna empfangen und geboren wurde, dabei aber vollkommen von dem moralischen Makel bewahrt blieb, der seit Adams und Evas Sündenfall im Paradies all deren Nachkommen – also schlicht allen Menschen – anhaftet.

Nicht umsonst wird »Mariä Empfängnis« auch »Mariä Erwählung« genannt: Gott hatte Maria von Anfang an als zukünftige Mutter des Gottessohnes ›geplant‹, und damit sie später nicht nur jungfräulich, sondern auch wirklich absolut unbefleckt das Jesuskind vom Heiligen Geist empfangen konnte, musste sie vom ersten Moment ihres eigenen Seins an vollkommen rein sein. Dieses Dogma wird heute zum Beispiel in Österreich, Italien oder Spanien mit einem landesweiten Feiertag bekräftigt.

Feierlich gewürdigt wurde die makellose Maria schon im Mittelalter, doch erst 1708 erhob Papst Clemens XI. den 8. Dezember zu einem verpflichtenden Festtag für die gesamte katholische Kirche. Die Evangelische Kirche dagegen lehnt die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Marias ab, weil sich diese nicht (anders als die spätere unbefleckten Empfängnis Jesu durch Maria) aus den kanonischen Bibelschriften herleiten lässt. Biologisch gesehen ist jetzt jedoch alles korrekt: Neun Monate nach »Mariä Empfängnis«, also am 8. September, wird im römisch-katholischen Kirchenjahr »Mariä Geburt« begangen, genau wie Christi Geburt, also Weihnachten, saubere neun Monate auf Mariä Verkündigung folgt.

  


  

Fabrizio Santafede - St. Stephen the Martyr


26. Dezember

Unter anderem: der Tag des heiligen Stephanus
   

Ähnlich fantasielos wie in Deutschland wird der 26. Dezember auch in zahlreichen weiteren Ländern einfach nur als »zweiter Weihnachtsfeiertag« durchnummeriert. In Großbritannien und den Commonwealth-Ländern dagegen wird der Second Day of Christmas erfrischend ehrlich der »Boxing Day«, also der »Päckchentag« genannt. Dieser den heute für viele Menschen zentralen Sinn des Festes recht gut zusammenfassende Name geht auf die britische Tradition zurück, am zweiten Weihnachtsfeiertag nach der Familie (am ersten Feiertag) nun auch die Angestellten mit einer »Christmas box« zu beschenken.

Österreich (Stefanitag), die Schweiz (Stephanstag), Irland (Saint Stephen's Day), Italien (Santo Stefano), Frankreich (Saint-Étienne) und viele andere katholisch geprägte Länder aber widmen den 26. 12. ausdrücklich dem heiligen Stefan. Hm … Wer war das noch mal?


Ein Pionier des Glaubens und der Leiden

In der schier unüberschaubaren Schar der für ihr mit unerschütterlicher Glaubensfestigkeit erlittenes Martyrium als heilig verehrten frühen Christen nimmt Stephanus eine Sonderstellung ein: er ist der »Erzmärtyrer«, der allererste aller christlichen Märtyrer.

Stephanus lebte ungefähr in den Jahren von 1 bis höchstens 40 nach Christi; also in der Zeit, als sich die neue Religion gerade erst entwickelte. Die Apostelgeschichte (Apg 6 und 7) des Neuen Testaments berichtet ausführlich über ihn – und entführt uns dabei in die Welt der damals von Petrus geleiteten Jerusalemer Urgemeinde, in der es noch keine ›Christen an sich‹ gab, sondern zunächst die sogenannten Judenchristen, die Jesus von Nazareth zwar als den Messias, also als den neuen von Gott eingesetzten König der Juden verehrten, ansonsten aber noch fest dem Fundament ihres bisherigen Glaubens verpflichtet waren. Im Geiste der von Jesus propagierten Nächstenliebe widmete sich diese Urgemeinde unter anderem der Versorgung der Armen, besonders der Witwen und Waisen.

Dabei aber kam es häufig zu Querelen zwischen den aramäischen Judenchristen einerseits und den griechischen Judenchristen andererseits, denn letztere sahen ihre Witwen im Hinblick auf Zuwendungen benachteiligt. Wenn sie ständig solche banalen Streits schlichten müssten, würden sie ihren höheren Aufgaben in der Lehre und Predigt wahrscheinlich nie angemessen nachkommen können, befürchteten da die Apostel; also forderten sie die Gemeindeversammlung auf, sieben Diakone (d. h. »Diener« bzw. »Helfer«) zu wählen, die künftig die praktisch-verwalterische soziale Verantwortung für die griechischen Witwen und andere Bedürftige übernehmen sollten. Männer »von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit«, sollten es sein, die dann von den Aposteln durch Handauflegen für ihre künftige Tätigkeit geweiht wurden.

Stephanus war einer dieser sieben Diakone. Doch ganz wie seine modernen Kollegen kümmerte er sich nicht nur, sondern er predigte auch – und zwar wohl sehr schwungvoll und überzeugend. Doch dabei ging er für den damaligen Geschmack manchmal auch etwas zu weit. Er hatte es ja schließlich immer noch mit strenggläubigen Juden zu tun – und denen kann man nicht einfach so unvermittelt auf den Schlips treten und verkünden, dass Jesus deren zentrales Heiligtum, den Tempel in Jerusalem, zerstören und die jüdischen Gebräuche rigoros verändern wollte. Das aber soll Stephanus getan haben; und dafür wurde er prompt der frevelhaften Gotteslästerung beschuldigt und angeklagt.

Bei der Gerichtsverhandlung vor dem Hohen Rat hielt Stefan dann eine flammende Verteidigungsrede im Geiste seines Glaubens, die aber alles nur noch schlimmer machte – und so wurde recht spontan das damals übliche Todesurteil der Steinigung an ihm vollstreckt. »Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!« soll der sterbende Stephanus zum Schluss gesagt haben – ganz seinem Vorbild Jesus Christus folgend, der am Kreuz ja sprach: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.«

Was lehrt uns diese Geschichte, die den Tod so eng mit der Geburt Christi verknüpft? Vielleicht ganz einfach: Man muss eben alles gut üben … die christliche Nächstenliebe ebenso wie das Glaubensbekenntnis und das Martyrium, das im katholischen Glauben ein so hohes Ansehen genießt; doch vor allem vielleicht die empathische, den Respekt vor den Glaubenssätzen anderer wahrende Kommunikation?!

Namenstag haben heute jedenfalls Stephan, Stefan, Steffen, Steven, Stepan, Stefano, Stephanie und Stefanie, aber auch Etienne, Esteban und Fanny. Aus naheliegenden Gründen wird St. Stefan, der Heilige der ersten Stunde, von gläubigen Katholiken als Hilfsheiliger der Steinhauer, Böttcher und Maurer verehrt und bei (Gallen-)Steinleiden, Kopfschmerzen oder für ein Sterben in innerer Harmonie angerufen (aber auch bei Besessenheit …). Weniger naheliegend ist demgegenüber Stefans Rolle als Patron der Pferde, der Kutscher und Pferdeknechte sowie der Weber, Schneider und Zimmerleute. (Wer weiß, welche älteren Kulte der Erzmärtyrer da rigoros überlagert hat?)

 


 


»Weihnacht im Schnee – Ostern im Klee.«

Nicht nur Bing Crosby, sondern auch die Landwirte träumen von einer weißen Weihnacht; letztere jedoch eher aus praktischen als aus romantischen Gründen, denn: »Je dicker das Eis um Weihnacht liegt, je zeitiger der Bauer Frühling kriegt.« Und dann kann er endlich wieder pflügen, eggen und säen ...

Meteorologen bestätigen, dass auf kalte Weihnachtstage in drei von fünf Jahren ein milder Februar und März folgen, der Winter also tatsächlich bald vorbei ist. Doch leider stellt sich in Deutschland ja sehr viel häufiger das typische Weihnachts-Tau-und-Schmuddel-Wetter ein ... Wie es wohl in diesem Jahr wird? Lassen wir uns überraschen, ob der Weihnachtsmann diesmal zugleich auch als Schneemann vorbeikommt!

  


Vielen Dank für Ihr Interesse! Die im März 2014 erstmals auf www.dr-michaela.mundt.de eingerichtete Rubrik »Kalenderblatt« wurde inspiriert durch meine Tätigkeit als Lektorin für die Neumann & Wolff Werbekalender GmbH & Co. KG / ALPHA EDITION GmbH & Co. KG seit Sommer 2012. Die Bauernregeln zum Monat habe ich 2014 im Auftrag der Kieler Werbeagentur WortBildTon GmbH für mein coop magazin, das Kundenmagazin der sky-Märkte beleuchtet. Der Text zum Monat Dezember entstand im Sommer 2018 exklusiv für diese Site.

Fotos: © M. Mundt, Bilder zum 08./26.12. via wikimedia commons (Details siehe Link zum Bild). Vielen Dank dafür!