Das Kalenderblatt zum September
Der Sommer verabschiedet sich – die Zeit der Ernte ist gekommen!
01.09.2023 • Meteorologischer Herbstanfang • Antikriegstag
04.09.2023 • Labor Day (USA), Labour Day (Kanada)
08.09.2023 • Mariä Geburt
15.09.2023 • Neumond im Tierkreiszeichen Jungfrau
16./17.09.2023 • Rosch ha-Schana – Beginn des Jahres 5784 im jüdischen Kalender
17.09.2023 • Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag (Schweiz)
18.09.2023 • Bettagsmontag (Schweiz, regional)
20.09.2023 • Weltkindertag (Feiertag in Thüringen)
21.09.2023 • Internationaler Tag des Friedens (UN)
23.09.2023 • Kalendarischer bzw. astronomischer Herbstanfang • Sonne im Tierkreiszeichen Waage
25.09.2023 • Jom Kippur
29.09.2023 • Vollmond im Tierkreiszeichen Widder
30.09.-07.10.2023 • Sukkot
September: Lieben Sie Sieben?
Mit dem nahenden Herbst hat die Namensgeber unserer Monate, die alten Römer, offensichtlich die Fantasie verlassen. Ab jetzt werden die Monate jedenfalls nicht mehr klangvoll nach Göttern oder Kaisern benannt, sondern einfach nur noch durchnummeriert: Der – vom ursprünglichen römischen Jahresbeginn, dem Mars-Monat März, aus gesehen – siebente Monat (lat. septem = sieben) heißt ganz einfach auch der Siebente (bzw. September, Septembre, Settembre, Septiembre, Setembro, wrzesień, szeptember, září, Cентябрь, eylul), und so geht es dann weiter bis Dezember.
Es hat im alten Rom zwar immer wieder Versuche gegeben, die durchnummerierten Monate nach leibhaftigen Würdenträgern zu benennen – doch diese lehnten entweder dankend ab (wie Tiberius oder Antoninus Pius), oder sie hatten, wie Caligula, eigenmächtige Umbenennungen vorgenommen, die nach ihrem Ableben gleich wieder rückgängig gemacht wurden. So blieb es langfristig dabei, den September einfach den Monat Nummer 7 zu nennen – obwohl er auch schon im alten Rom (mit dem neuen Jahresbeginn im Januar ab 153 v. Chr.) zum Monat Nummer 9 verrutscht war und daher eigentlich November hätte heißen müssen. Doch allzu pingelig sollte man da wohl nicht sein: Der Münchener Oktoberfest-Gaudi beginnt ja schließlich ebenfalls regelmäßig schon im September!
»Witumanoth« (Holzmonat) schlug Karl der Große als alternativen deutschen Namen für den September vor; und was sagen die Landwirte selbst dazu?
»Donnert's im September noch, wird der Schnee um Weihnacht hoch.«
Viele Bauernregeln zum September kreisen um die Frage, wie das Winterwetter wohl werden mag; und kommen dabei gern zu dem Ergebnis: »Nach Septembergewittern wird man im Winter vor Kälte zittern.« Einen Zusammenhang zwischen Gewittern im September und dem Schneefall im Winter können professionelle Meteorologen jedoch nicht bestätigen. Einer anderen traditionellen Wetterweisheit aber geben sie durchaus recht: »Ist der September lind, ist der Winter ein Kind« (also völlig harmlos). Auf einen milden September folgt wissenschaftlichen Beobachtungen nach tatsächlich in drei von vier Jahren auch ein milder Winter. Ein klares K.O. also für die Bauernregel »Septemberwärme dann und wann zeigt einen strengen Winter an«?
So oder so, es »herbstelt« nun spürbar. Dem meteorologischen Herbstanfang folgt der kalendarische … und da erhebt sich doch die Frage: Warum fangen Jahreszeiten immer gleich zweimal an?
Warum fangen die Jahreszeiten immer gleich zweimal an?
Die Meteorologen teilen das Jahr schlicht und ergreifend synchron zu den Kalendermonaten ein: Im März, April und Mai ist Frühling, in den drei Monaten von Juni bis August Sommer, von 1. September bis zum 30. November Herbst und von Dezember bis Februar Winter – jedenfalls auf die Nordhalbkugel der Erde, die wir ja bewohnen.
Das leuchtet auch dem allgemeinen menschlichen Zeitempfinden ein, das sich vor allem an spürbaren Temperaturunterschieden und am Werden und Vergehen der Natur orientiert: Wenn das Laub von den Bäumen fällt, ist Herbst, wenn alles kahl ist und man ordentlich friert Winter, wenn es wärmer wird und die Pflanzen wieder sprießen haben wir Frühling, und so richtig heiß wird es dann in den drei Sommermonaten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, nach dem wir unterschiedliche Zeitphasen wahrnehmen, ist jedoch die Helligkeit der Tage; und danach richten sich der Frühlingsanfang, der Sommeranfang, der Herbstanfang und der Winteranfang, die wir – jeweils rund drei Wochen nach dem meteorologischen Beginn der Jahreszeiten – offiziell in unseren Kalendern vermerkt finden.
Quelle Grafik: Horst Frank aus der deutschsprachigen Wikipedia [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Wenn hier »Frühlingsanfang« oder »Herbstanfang« steht, vergehen zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang exakt 12 Stunden. Der Tag und die Nacht sind also jeweils genau gleich lang – und zwar auf beiden Halbkugeln der Erde, also überall auf der Welt (daher spricht man hier auch von der »Tagundnachtgleiche« bzw. dem »Äquinoktium«).
Nach dem offiziellen Herbstanfang werden die Tage dann stetig dunkler, täglich verlieren wir rund fünf Minuten Licht – bis der Winteranfang erreicht ist, zu dem die Tage nur noch exakt 8 Stunden lang sind, die Nächte aber 16 Stunden. Ab dann wird es Schritt für Schritt wieder heller – bis wir mit dem Sommeranfang gerechter Weise das genau umgekehrte Verhältnis vom 16-Stunden-Tag zur 8-Stunden-Nacht genießen können.
Die vier kalendarischen Eckdaten Frühlingsanfang, Sommeranfang, Herbstanfang und Winteranfang – beziehungsweise die sekundengenaue Dauer von Tag und Nacht - werden mit astronomischen Mitteln nach dem Stand der Sonne über dem Äquator berechnet. Und dabei kann es Jahr für Jahr zu kleinen terminlichen Abweichungen kommen. So fällt der Herbstanfang in unserem Nordhalbkugelkalender zum Beispiel mal auf den 22. und mal auf den 23. September.
Vielen Dank für Ihr Interesse! Die im März 2014 erstmals auf www.dr-michaela.mundt.de eingerichtete Rubrik »Kalenderblatt« wurde inspiriert durch meine Tätigkeit als Lektorin für die Neumann & Wolff Werbekalender GmbH & Co. KG / ALPHA EDITION GmbH & Co. KG seit Sommer 2012. Die Bauernregeln zum Monat habe ich 2014 im Auftrag der Kieler Werbeagentur WortBildTon GmbH für mein coop magazin, das Kundenmagazin der sky-Märkte, beleuchtet. In diesem Jahr wurde auch der Beitrag zu den Jahreszeiten erstmals hier veröffentlicht. Der Text zum Monat September entstand im Sommer 2018 exklusiv für diese Site.
Fotos: © M. Mundt