Lieben Sie Sieben?

Eine sprichwörtlich symbolträchtige Zahl! Nicht nur für Redensarten-Forscher und Hobby-Numerologen, sondern auch für Romantiker ...

Sieben mimu2Das Paradies - und sein Verlust?!


»Es ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln, warum du nicht endlich deine Siebensachen zusammenpackst und verschwindest!«

Mit so bösen Worten kann zu Ende gehen, was einst in verliebter Hochstimmung »auf Wolke sieben schwebend« begann ... oder auch: »im siebenten Himmel«.

Hausnummern am Himmelszelt

Der »siebente Himmel«, dieser heutige Inbegriff der partnerschaftlich-romantischen Glückseligkeit, hat religiöse Wurzeln: Im islamischen Glauben wie in der jüdisch-christlichen Tradition ist der siebente Himmel der höchste aller Himmel, ein Ort der vollkommenen Verklärung, die Sphäre, in der Gott, die Engel und die Seelen der Gerechten wohnen.

Vor Talmud, Bibel und Koran – und auch vor dem griechischen Philosophen Aristoteles – teilten jedoch bereits die Babylonier den Himmel in sieben Bereiche ein. Jeder dieser Himmel war einem der sieben sich scheinbar eigenmächtig bewegenden Gestirne zugeordnet, die als Götter und Boten der kosmischen Ordnung verehrt wurden – also der Sonne, dem Mond und den Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, denen wir übrigens auch die bis heute gültige Einteilung der Woche in sieben Tage verdanken.

Ziemlich apokalyptisch ...

Sieben Tage hat die Woche, sieben Tage brauchte Gott, um die Welt zu erschaffen, sieben Arme hat die Menora, der heilige Leuchter im Judentum, sieben Sakramente gibt es im katholischen Christentum, und den sieben Kardinaltugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe, Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung) stehen seit Papst Gregor I dem Großen (590-604 n. Chr.) die sieben Todsünden (Stolz, Geiz, Wollust, Neid, Völlerei, Zorn und Trägheit) gegenüber.

Biblischen Ursprungs ist auch das sprichwörtlich völlig unverständliche »Buch mit sieben Siegeln«. Diese Redewendung spielt auf die an geheimnisvollen Symbolen reiche, inhaltlich nur schwer zugängliche Offenbarung des Johannes aus dem Neuen Testament an. Ab dem fünften Kapitel der Johannesapokalypse werden die Siegel dieses Buches nacheinander geöffnet und lösen dadurch schrittweise den Weltuntergang mit seinen sieben Plagen und vielen anderen Schrecknissen aus.

Sieben mimu1Ganz pauschal - eine magische Zahl!

Deutlich heiterer geht es derweil im Märchenland bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen zu – auch dann, wenn das tapfere Schneiderlein mit seiner Fliegenklatsche mal keine »Sieben auf einen Streich« erwischt oder wenn es den sieben Geißlein beim besten Willen nicht gelingt, die sieben Raben auf Siebenmeilenstiefeln zu überholen.

Das reale, bis zu 461 Meter hohe Siebengebirge bei Bonn am Rhein aber (das Schneewittchen wörtlich genommen ja hätte überklettern müssen, um zu den Zwergen zu gelangen), hat rein gar nichts mit der Zahl zu tun: Es besteht nicht nur aus sieben, sondern aus insgesamt 42 Bergen und Hügeln und trägt seinen Namen nach den hier sehr tiefen Tälern, den sogenannten »Siefen«. Auch der »Siebenschläfer« ist kein Verwandter von Dornröschen, sondern der 27. Juni, ein wichtiger Lostag, der laut Bauernregel das Wetter der kommenden sieben Wochen ankündigt.

Im Märchen bedeutet die Siebenzahl oft einfach: »alle zusammen«. Und damit mag es zusammenhängen, dass man mit seinen Habseligkeiten ausgerechnet seine »Siebensachen« zusammenpackt; und nicht seine »Viersachen« oder seine »Zehnsachen«.

1 + 1 = 7

Zweischneidig aber ist unser Verhältnis zur Sieben allemal: Zwar wird sie laut Statistik überdurchschnittlich oft als Glückszahl auf dem Lottoschein angekreuzt, bei Kfz-Wunschkennzeichen angegeben oder generell als Lieblingszahl genannt – doch andererseits ist es vorzugsweise das »verflixten siebente Jahr« einer Ehe, in dem man sich endlich entschließt, seine zänkische Gattin zu verlassen, die auch als »böse Sieben« bekannt ist.

Warum sind böse Frauen »böse Siebenen«? Unterstellt man ihnen mit diesem – um 1600 geprägten und heute etwas altertümelnd anmutenden – Spitznamen etwa, dass sie alle sieben Todsünden in sich vereinen? Oder spielt man damit auf die siebente Bitte im Vaterunser an (»...und erlöse uns von dem Übel ...«)? Keiner weiß es so genau. Der Duden Nr. 7, also das Herkunftswörterbuch, zieht es vor, die »böse Sieben« auf die Trumpfkarte Sieben in dem alten Kartenspiel »Karnöffel« zurückzuführen, auf der zunächst der Teufel, später alternativ aber auch ein keifendes Weib abgebildet war.

Eine interessante Erklärung dafür, warum die Zahl Sieben – von der frisch verliebten »Wolke sieben« bis ins »verflixte siebente Jahr« hinein – gerade zum Thema Partnerschaft so gern zitiert wird, liefert auch die Astrologie: Hier wird das persönliche Horoskop in zwölf Felder, die sogenannten »Häuser« eingeteilt, die jeweils für einen bestimmten Bereich der Lebenserfahrung stehen. Das siebente dieser Häuser nun ist das Haus des zwischenmenschlichen Austauschs, der Verbundenheit, der Liebe und der Ehe – aber auch der offenen Feindschaft. Dieses Haus beginnt in der Horoskopgrafik unmittelbar am Westhorizont, es liegt dem Aszendenten, der im Osten das erste Haus eröffnet, direkt gegenüber. Symbolisch tritt damit dem »Ich« (1) das »Du« (7) an die Seite. Eine »liebe Sieben« wäre so gesehen also wirklich »meine bessere Hälfte«!


Vielen Dank für Ihr Interesse! Die Ausführungen, die Sie gerade gelesen haben, sind sozusagen die »Extended Dance Version« beziehungsweise der »Director's Cut« zu einem deutlich knapper gefassten Beitrag zum Thema Redensarten, den ich passgenau auf das 2.200-Zeichen mit Leerzeichen-Format zurechtgestutzt habe, das mir von meinem Auftraggeber, der Kieler Werbeagentur WortBildTon, vorgeben wurde. Entsprechend knapp – dafür aber sehr amüsant von Gerrit Hansen illustriert! – ist der Artikel im Juli 2012 im mein coop magazin erschienen.